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Energiehandel und Regelenergie mit Batteriespeichern in der Schweiz

Geschrieben von Kai Hennum | 06.03.2026 11:10:35

Mit dem starken Ausbau erneuerbarer Energien verändert sich der Schweizer Strommarkt. Besonders Photovoltaik wächst schnell und führt zu stärkeren Schwankungen zwischen Stromproduktion und Verbrauch. Während mittags häufig ein Überangebot entsteht, steigt der Bedarf in den Abendstunden deutlich an.

Diese Entwicklung erhöht den Wert von Flexibilität im Energiesystem. Batteriespeicher spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie können Energie kurzfristig speichern, Leistung bereitstellen und Unternehmen ermöglichen, aktiv am Strommarkt teilzunehmen. Für viele Unternehmen stellt sich daher nicht mehr nur die Frage, ob sie Energie speichern sollten – sondern wie ein Batteriespeicher strategisch eingesetzt werden kann.

Der Schweizer Strommarkt wird flexibler

Die Schweiz produziert jährlich rund 60 TWh Strom, wobei Wasserkraft weiterhin den grössten Anteil stellt. Gleichzeitig wächst die Solarproduktion stark. Laut Bundesamt für Energie hat sich die installierte Photovoltaikleistung in den letzten Jahren stark erhöht und lag 2023 bereits bei über 5 GW installierter Leistung.

Mit zunehmender Solarproduktion entstehen jedoch stärkere Schwankungen im Tagesverlauf. Während an sonnigen Tagen mittags viel Strom produziert wird, kann die Produktion am Abend oder bei schlechtem Wetter deutlich geringer sein.

Für Netzbetreiber bedeutet dies, dass sie mehr flexible Ressourcen benötigen, um das Gleichgewicht im Stromsystem sicherzustellen. Genau hier kommen Batteriespeicher ins Spiel. 


Was ist Regelenergie?

Das Stromnetz muss jederzeit stabil bleiben. Produktion und Verbrauch müssen praktisch im selben Moment ausgeglichen sein. Bereits kleine Abweichungen können die Netzfrequenz beeinflussen.

Swissgrid, der Betreiber des Schweizer Übertragungsnetzes, beschafft dafür sogenannte Regelenergie. Diese Reserveleistung wird aktiviert, wenn kurzfristig mehr oder weniger Strom benötigt wird.

Dabei gibt es zwei grundlegende Richtungen:

Positive Regelenergie: Wenn zu wenig Strom im Netz vorhanden ist, können Anlagen Energie einspeisen.

Negative Regelenergie: Wenn zu viel Strom produziert wird, können flexible Anlagen Strom aufnehmen.

Batteriespeicher eignen sich besonders gut für diese Aufgabe, da sie innerhalb von Sekunden reagieren können. Diese schnelle Reaktionsfähigkeit ist ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen konventionellen Kraftwerken.

Swissgrid beschafft Regelenergie über verschiedene Marktmechanismen, an denen grundsätzlich auch Batteriespeicher teilnehmen können - oft über spezialisierte Aggregatoren oder Energiedienstleister.

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Energiehandel mit Batteriespeichern

Neben der Netzstabilisierung können Batteriespeicher auch im Stromhandel eingesetzt werden. Der wichtigste Mechanismus dabei ist die Nutzung von Preisunterschieden im Markt. Strom wird in Europa hauptsächlich über zwei Handelsmärkte gehandelt:

Day-Ahead Markt: Hier wird Strom einen Tag im Voraus gehandelt.

Intraday Markt: Dieser Markt ermöglicht kurzfristige Anpassungen, teilweise nur wenige Stunden vor der Lieferung.

Da Strompreise im Tagesverlauf schwanken, können Batteriespeicher Energie zu günstigen Zeiten aufnehmen und später nutzen oder verkaufen, wenn Preise höher sind. Dieser Prozess wird häufig als Arbitrage bezeichnet.

Gerade mit zunehmender Solarproduktion steigen kurzfristige Preisschwankungen im Strommarkt, was Flexibilität wirtschaftlich attraktiver macht.


Regelenergie vs. klassischer Eigenverbrauch – wo liegt der Unterschied?

Viele Batteriespeicher in Unternehmen werden zunächst zur Eigenverbrauchsoptimierung eingesetzt. Dabei wird überschüssiger PV-Strom gespeichert und später im Betrieb genutzt. Der Unterschied zu Regelenergie oder Energiehandel liegt im Fokus der Nutzung. Beim Eigenverbrauch steht die Reduktion des Strombezugs aus dem Netz im Vordergrund. Das Ziel ist es, möglichst viel selbst erzeugten Strom im eigenen Betrieb zu nutzen.

Bei Regelenergie oder Energiehandel wird der Speicher dagegen stärker als flexible Ressource im Stromsystem eingesetzt. Hier kann der Speicher:

  • kurzfristig Leistung bereitstellen

  • Strompreise nutzen
  • Netzstabilität unterstützen

In der Praxis werden viele moderne Batteriespeicher so betrieben, dass mehrere Anwendungen kombiniert werden. Ein Speicher kann beispielsweise tagsüber PV-Strom speichern, Lastspitzen reduzieren und gleichzeitig Flexibilität für Marktmechanismen bereitstellen.

Wirtschaftliche Voraussetzungen

Damit sich ein Batteriespeicher wirtschaftlich betreiben lässt, müssen mehrere Faktoren zusammenpassen.

Wichtige Einflussgrössen sind unter anderem:

  • Lastprofil des Unternehmens
  • Grösse der PV-Anlage
  • Höhe der Leistungspreise im Netztarif
  • Marktpreise für Strom
  • mögliche Teilnahme an Flexibilitätsmärkten

Ein einzelner Anwendungsfall reicht oft nicht aus, um einen Speicher optimal zu nutzen. In vielen Projekten entsteht der wirtschaftliche Nutzen erst durch die Kombination mehrerer Funktionen.

Typische Kombinationen sind zum Beispiel:

  • Eigenverbrauch + Lastspitzenreduktion
  • Eigenverbrauch + Energiehandel
  • Lastmanagement + Regelenergie

Die wirtschaftliche Bewertung erfordert deshalb eine genaue Analyse des Standorts und der möglichen Betriebsstrategien.

Warum ist das für Industriebetriebe gerade jetzt relevant?

Mehrere Entwicklungen führen dazu, dass Batteriespeicher für Industrieunternehmen aktuell besonders interessant werden.

Steigende Elektrifizierung: Viele industrielle Prozesse werden zunehmend elektrifiziert, etwa durch Wärmepumpen oder elektrische Prozesswärme. Dadurch steigen Lastspitzen und Strombedarf.

Wachsende PV-Kapazitäten: Immer mehr Unternehmen installieren PV-Anlagen auf Dächern oder Parkflächen. Ohne Speicher kann jedoch nur ein Teil dieser Energie direkt genutzt werden.

Volatilere Strompreise: Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien schwanken Strompreise stärker im Tagesverlauf. Flexible Systeme können davon profitieren.

Netzrestriktionen: In einigen Regionen stossen Netzanschlüsse zunehmend an Grenzen. Batteriespeicher können helfen, bestehende Anschlüsse effizienter zu nutzen.

Für Industriebetriebe bedeutet das: Energie wird zunehmend zu einem strategischen Produktionsfaktor, der aktiv gesteuert werden kann.

Was sollten Sie bei Ihrem BESS Projekt beachten?

Trotz der vielen Möglichkeiten ist ein Batteriespeicher kein Standardprodukt. Der wirtschaftliche Erfolg hängt stark davon ab, wie gut Technologie, Dimensionierung und Betriebsstrategie aufeinander abgestimmt sind.

Zu den wichtigsten Fragen gehören:

  • Welche Batterietechnologie passt zum Projekt?
  • Wie gross sollte der Speicher dimensioniert werden?
  • Welche Marktmodelle sind realistisch nutzbar?
  • Wie wird der Speicher optimal gesteuert?

PowerEdge kann Unternehmen dabei unterstützen, diese Fragen zu analysieren und eine technisch wie wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu entwickeln.

Das umfasst typischerweise:

  • Analyse von Lastprofilen und Energiedaten
  • Auswahl der passenden Batterietechnologie
  • Dimensionierung von Leistung und Kapazität
  • Integration von Energiemanagementsystemen
  • Bewertung möglicher Marktmodelle

Erst durch diese systematische Planung wird ein Batteriespeicher zu einem langfristig wirtschaftlichen Bestandteil der Energieinfrastruktur. Der Schweizer Strommarkt entwickelt sich zunehmend in Richtung Flexibilität. Batteriespeicher sind eine der Technologien, die diese Flexibilität bereitstellen können. Für Industrieunternehmen kann ein Batteriespeicher daher weit mehr sein als nur ein technisches Zusatzsystem. Richtig geplant und betrieben wird er zu einem wichtigen Baustein einer strategischen Energieversorgung.

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